Klavierunterricht in Zeiten von Corona

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Was verändert sich in Klavierschulen nach der Corona-Zeit?

Wie viele Musikinstitute in Bayern und ganz Deutschland hat auch die Klavierstunde München in Zeiten von Corona zügig auf Online-Unterricht umgestellt, um die musikalische Bildung aufrechterhalten zu können. Dank der Kommunikationsmöglichkeiten, die uns die Digitalisierung eröffnet, klappt das prima und wird auch von den Schülern sehr gut angenommen. 

Was aber bedeuten diese Veränderungen für den Klavierunterricht konkret? Und was wird davon bleiben, wenn die Corona-Pandemie vorbei ist? Wird sich die Musikschullandschaft dauerhaft verändern? Diesen Fragen wollen wir in diesem Beitrag ein wenig nachspüren.

Wie funktioniert Online-Klavierunterricht?

Wir haben den genauen Ablauf schon im Abschnitt zu Online-Klavierunterricht beschrieben. Im Prinzip ist nicht mehr erforderlich als eine stabile Internetverbindung, ein mobiles Endgerät wie Laptop, Tablet oder Smartphone – und natürlich ein Klavier. Beides wird dann so eingestellt, dass Lehrer und Schüler einander jeweils gut am Klavier sehen können. Große technische Vorkenntnisse sind dafür nicht erforderlich. 

Dann läuft die Stunde im Prinzip ab wie Präsenz-Klavierunterricht auch. Und darum ist Online-Klavierunterricht auch etwas anderes als eine App, die man sich herunterlädt: Man interagiert live mit einem Lehrer, der Fortschritt des Schülers wird aktiv gemonitort, Fehler sofort korrigiert – wie im „normalen“ Unterricht eben.

In der Corona-Zeit bietet der Online-Klavierunterricht viele Vorzüge: Der Unterricht muss nicht ausfallen, es gibt also weiter musikalische Fortschritte. Eltern freuen sich, dass die Kinder beschäftigt sind. Auch erwachsene Schüler sind natürlich sehr froh darüber, dass die regelmäßigen Unterrichte nicht ausfallen müssen und dass das Musizieren weitergeht, ohne dass sie sich einem Risiko aussetzen müssen.

Musik als Heilmittel in Krisenzeiten

Schließlich baut Musik in schwierigen Zeiten auch auf – diese wichtige Funktion des Musizierens sollten wir nicht vergessen. Denn Musik ist nicht nur Luxus, sondern eine elementare Ausdrucksform des Menschen. So gibt es keine Kultur auf der Erde, in der Musik nicht in irgendeiner Form existiert. Musik ist immer auch ein gemeinschaftliches Erleben, sei es nun als Zuhörer, wenn wir in ein Konzert gehen, oder als Musizierende – professionell oder im Familien- und Freundeskreis. Zuhause Musik machen zu können kann das eigene Lebensgefühl verbessern oder eine schöne gemeinsame Beschäftigung mit der Familie sein. 

Dass Musik eine wichtige Funktion in Krisenzeiten hat, zeigten uns in den letzten Monaten nicht nur die zahlreichen Balkonkonzerte, sondern auch humoristische Auseinandersetzungen mit dem Thema. Ein Beispiel dafür ist die „Corona-Virus-Etüde“ für Desinfektionstuch und Klavier, arrangiert von Jeff de Paoli, die sich – mit einem Augenzwinkern – musikalisch mit dem Thema der Reinigung der Klaviatur auseinandersetzt.

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Humor in der Krise: Live-Konzert der Coronavirus-Etüde für Klavier und desinfizierendes Wischtuch von Jeff DePaoli​

Und dieser positive Effekt der Musik ist sogar wissenschaftlich bewiesen. Nachweislich hat Musik einen Einfluss auf unseren Blutdruck, auf die Atemfrequenz und den Herzschlag. All das können wir positiv nutzen, um uns in stressigen und auch angstvollen Zeiten zu entspannen.  

Musikalische Bildung ist für viele Kinder, aber auch für Erwachsene, in der jetzigen Situation eine zentrale Stütze, um psychisch gesund zu bleiben und seelischen Problemen vorzubeugen. 

Prof. Dr. Alexander Schmidt, Leiter des Berliner Centrum für Musikermedizin an der Charité – Universitätsmedizin Berlin – attestiert 

„Ich glaube, in Zeiten der Ausgangs-beschränkungen kann Musik eine wichtige Rolle spielen. Denn durch Musik habe ich die Möglichkeit, selbst positive Emotionen hervorzurufen. Hinzu kommt, wenn man ein Instrument spielt, singt oder Musik hört, dann konzentriert man sich in der Regel ganz darauf und damit kann es gelingen, das Tagesgeschehen einfach mal zu vergessen. (…) Es ist schade, dass man solche positiven Effekte der Musik erst entdeckt, wenn eine Krisensituation auftritt.“

Darum haben wir in der Klavierstunde München während der Zeit der Ausgangsbeschränkungen alles getan, um unseren Unterricht nicht ausfallen lassen zu müssen, sondern unseren Schülern wie gewohnt hochwertigen Unterricht online anzubieten. Und wir möchten uns an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bei all den Schülerinnen und Schülern bedanken, die uns dabei unterstützt haben und uns in dieser Zeit treu geblieben sind!

Politischer Einsatz zur Öffnung der Musik- und Klavierschulen für Einzelmusikunterricht

Dennoch kann langfristig Online-Unterricht natürlich kein Ersatz für Präsenzunterricht sein. Denn wie schon erwähnt: Musizieren ist ein Gemeinschaftserlebnis – und diese menschliche Gemeinschaft findet letztlich immer in tatsächlichen Begegnungen in und durch die Musik statt.

Darum haben wir uns auch frühzeitig politisch dafür stark gemacht, dass die Musikschulen und Musikinstitute im Bundesland Bayern wieder ihre Tore öffnen dürfen. Der Leiter der Klavierstunde München, Tamino Rat, hat als Mitglied des Vorstandes des Landesverbandes der Freien Musikinstitute Bayern e.V. maßgeblich zu dieser schnellen Öffnung beigetragen, indem er gemeinsam mit der Vorstandsvorsitzenden des Verbandes Kerstin Maier einen Brief an den Ministerpräsidenten Markus Söder und die bayerischen Staatsminister sowie an den Vizepräsidenten des Bayerischen Landtags Dr. Wolfgang Heubisch sendete. In diesem Brief wurde darüber aufgeklärt, dass Einzelmusikunterricht unter sicheren Hygienebedingungen unbedenklich stattfinden kann und daher unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen schnellstmöglich wieder erlaubt werden soll. Über die Landesfraktion der FDP wurde daraufhin unter Einsatz von Dr. Wolfgang Heubisch ein entsprechender Dringlichkeitsantrag im bayerischen Parlament gestellt.

Am 05.05.2020 erfuhren wir durch Erlass der Vierten Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung (4. BayIfSMV), dass die Musik- und Klavierschulen ab 11.05.2020 wieder öffnen durften. Über diese politische Entscheidung freuen wir uns sehr, denn in dieser schwierigen Zeit sehen wir es als Notwendigkeit an, musikalische Bildung aufrecht zu erhalten.

Hygienebedingungen in Musikinstituten

Diese politische Entscheidung ist jedoch nicht nur begrüßenswert, weil so die musikalische Bildung im Live-Einzelunterricht wieder möglich wird. Dies hat auch aus Gründen der Hygiene einige Vorteile. 

So war es nämlich zuvor bereits erlaubt, dass Privatlehrer in Haushalten von Schülern Einzelunterricht erteilen, Einzelunterricht in Musikinstituten hingegen war untersagt. Für die Lehrer und auch die Schüler ist der Unterricht in einem Musikinstitut jedoch gesundheitlich viel unbedenklicher, da hier sehr gut die entsprechenden Hygienemaßnahmen eingehalten und überwacht werden können. In Privathaushalten ist dies hingegen nicht immer gewährleistbar, zum Beispiel auch, weil Räumlichkeiten sehr eng sind oder nur eingeschränkte Lüftungsmöglichkeiten bestehen. 

Sie möchten wissen, wie wir in der Klavierstunde München die notwendigen Hygienestandards einhalten? Dann lesen Sie hier die detaillierten Ausführungen unseres Hygienekonzeptes!

Was wird nach Corona bleiben?

Eines steht fest: Wir sind eine Präsenz-Klavierschule, wie so viele andere Klavierschulen in Deutschland auch. Und: Nichts kann Präsenzunterricht auf die Dauer ersetzen. Die soziale Interaktion, die man live entwickelt, der direkte Kontakt, ist letztlich für die musikalische Weiterentwicklung unentbehrlich. Und die meisten Schüler – und auch Lehrer! – möchten die Vorteile des Präsenzunterrichts wohl auch nicht entbehren. 

Dennoch glauben wir, dass sich durch die Corona-Zeit und die damit einhergehende Digitalisierung in der Musikschullandschaft auch auf Dauer einiges ändern wird. Dass Online-Unterricht grundsätzlich funktioniert, ist eine Einsicht, die nicht verschwinden wird.

Online-Unterricht als Alternative

Denkbar ist aus unserer Sicht beispielsweise, dass der Online-Unterricht als Alternative bestehen bleibt – beispielsweise, wenn der Schüler einmal nicht in die Klavierschule kommen kann, weil er krank ist und niemanden anstecken möchte, sich aber trotzdem noch gut genug für den virtuellen Unterricht fühlt. Auch wenn Schüler weiter weg wohnen und kein eigenes Auto haben, muss der Unterricht dann nicht mehr ausfallen, wenn Mutter oder Vater den Fahrdienst nicht übernehmen kann. Auch Menschen mit Gehbehinderung oder ältere Schüler, für die eine Anfahrt zur Klavierschule aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich ist, können nun auf dieses Angebot zurückgreifen.

Zusätzliche Angebote

Die Möglichkeiten der Digitalisierung, die wir derzeit gerade intensiv erproben, werden sicherlich auch dazu führen, dass Mixed Learning auch an klassischen Klavierschulen sehr viel gegenwärtiger wird. Denkbar sind etwa Online-Webinare zu Themen wie Musikproduktion, Komposition oder Notenlesen – theoretische Inhalte, die Präsenz eher weniger erfordern. Solche Angebote können die Schüler dann zusätzlich zum „normalen“ Präsenz-Klavierunterricht in München in Anspruch nehmen. Auch gestreamte Online-Konzerte und Gesprächskonzerte sind Bildungs- und Kulturangebote, die an Klavierschulen wie unserer zukünftig sicher präsenter werden.

Stärkeres Hygienebewusstsein

Fragen der Reinigung von Musikinstrumenten und der allgemeinen Hygienebedingungen in Musikschulen stehen in Zeiten von Corona stark im Vordergrund. Wir denken, dass ein stärkeres Hygienebewusstsein in Bezug auf die Unterrichtssituation auch nach Corona erhalten wird. Sicherlich werden wir uns von Plexiglasscheiben und Mundschutz verabschieden. Dass aber überall Desinfektionsmittel zur Verfügung stehen, dass Musikinstrumente nach jedem Unterricht gereinigt und Räume gelüftet werden wird sich aber nicht ändern. Auch wird es vermutlich selbstverständlich werden, dass Schüler und Lehrer, die sich nicht fit fühlen zuhause bleiben und dann auf Online-Unterricht ausweichen. Konzentrieren wir uns also auf die Zukunft und sehen die Lehren aus der Gegenwart als einen Schritt nach vorne zu einem rücksichtsvolleren, hygienebewussteren Miteinander!
Tamino Rat
Tamino Rat

Der Autor Tamino Rat ist Inhaber und Leiter der Klavierstunde München.

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